MASERN | MUMPS

Infektionskrankheiten. Kinderkrankheiten. Exanthem. Impfen.

Im menschlichen Körper leben unzählige Mikroorganismen. Von Geburt an sideln sich Bakterien an. Selbst wenn das zunächst ungesund klingt, ist dies aber äußerst dienlich für den Körper. Bakterien sind nicht nur Vitaminlieferanten, sondern sie helfen bei der Entwicklung des Immunsystems. Viele von ihnen vermindern die Anfälligkeit z. B. für Allergien. Ein gutes und viel beschäftigtes Immunsystem gerät seltener aus der Bahn.
Dennoch: Ein kleiner Teil der Mikroorganismen kann Infektionskrankheiten auslösen. Noch vor Generationen waren sie die häufigste Todesursache. Dank Impfungen und Antibiotika sind inzwischen schwere Krankheitsverläufe, zumindest in Europa, wesentlich seltener geworden. Einen deutlichen Sieg gegen die Erreger gibt es jedoch nicht. Dazu trägt beispielsweise ein übermäßiger Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht bei.

DAS MASERNVIRUS

kann über Tröpfchen in der Atemluft übertragen werden. Beim Sprechen Husten oder Niesen, eines Infizierten kann virales Sekret von einem gesunden Menschen eingeatmet werden. Desweitern gelangt es dann über die oberen Atemwege oder auch die Augenbindehaut in den Blutkreislauf. Darüber hinaus ist natürlich auch der direkte Kontakt mit infektiösem Sekret aus Rachen oder Nase ansteckend (Trinken aus einem Glas, Benutzung desselben Bestecks usw.). In der Luft kann der Erreger bis zu zwei Stunden überleben. Eine Ansteckung mit Masernviren führt bei nahezu 100% der Kontaktpersonen zu einer Infektion, in über 95% der Fälle zum Krankheitsausbruch mit Symptomen. Eine durchgemachte Infektion hinterlässt lebenslange Immunität.
Die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) beträgt ca. 8-14 Tage. Personen sind etwa fünf Tage vor Auftreten des Hautausschlags bis etwa vier Tage nach dessen Auftreten ansteckend. Unmittelbar vor Auftreten des Hautausschlags ist die Ansteckungsfähigkeit am größten. Schwangere Frauen die gegen Masern geimpft sind oder die Krankheit bereits durchgemacht haben, geben die Antikörper an ihr Kind weiter. Durch diesen so genannten Nestschutz ist das Baby bis etwa zum sechsten Lebensmonat gegen eine Maserninfektion geschützt.

WAS SIND EIGENTLICH MASERN?

Masern sind eine hochansteckende akute Erkrankung mit dem Masernvirus. Masern gehörten zu den typischen Kinderkrankheiten, befallen allerdings auch zunehmend Jugendliche und Erwachsene. Bei denen der Verlauf in der Regel schwerer ist als bei kleinen Kindern.

Die Erkrankung beeinträchtigt den Allgemeinzustand erheblich und verläuft gewöhnlich in zwei Phasen. Einem grippeähnlichen Vorstadium sowie dem Hauptstadium mit dem typischen Hautausschlag (Exanthem). Behandelbar sind nur die Symptome und nicht die Krankheit.

Masern erkennt man insbesondere an dem charakteristischen Hautausschlag. Da die Symptome von Röteln, Ringelröteln oder Scharlach sehr ähnlich sind, ist zur Absicherung der Diagnose einer Laboruntersuchung nötig. Der Nachweis erfolgt in der Regel über virusspezifische IgM-Antikörper, die als Zeichen einer frischen Maserninfektion gelten.

In den westlichen Industrieländern führen Masern bei 10-20% der Betroffenen zu Komplikationen, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter ansteigt, ca. 0,1% erkranken in der Folge lebensgefährlich.

Die häufigsten Komplikationen sind Mittelohr- und Lungenentzündungen, im schlimmsten Fall kann es zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis)kommen. In Einzelfällen kann es auch noch Jahre nach einer durchgemachten Masernerkrankung zu einer Entzündung des Gehirns kommen (sklerosierende Panenzephalitis-SSPE), die leider fast immer tödlich verläuft.

SYMPTOME UND THERAPIE

Masern verlaufen in zwei Krankheitsphasen, die mit zwei Fieberschüben einhergehen.
Vorstadium
8 bis 10 Tage nach der Infektion beginnt das Vorstadium mit unspezifischen grippeähnlichen Symptomen wie mäßiges Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen und trockener Husten, der sehr schmerzhaft sein kann. Hinzu kommen Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopf- und Bauchschmerzen. Weitere Anzeichen sind Lichtempfindlichkeit verbunden mit einer Bindehautentzündung, die sich vor allem durch tränende Augen bemerkbar macht. Das Gesicht kann aufgedunsen sein. Ab dem zweiten oder dritten Tag treten an der Wangenschleimhaut die charakteristischen Koplik-Flecken auf. Hierbei handelt es sich um weiße Beläge, die Kalkspritzern ähneln und von einem rötlichen Hof umgeben sind. Am dritten Tag steigt das Fieber stark an und die gesamte Mund- und Rachenschleimhaut ist gerötet. Gegen Ende des Vorstadiums, das drei bis fünf Tage dauert, sinkt das Fieber.
Hauptstadium
Anschließend kommt es zu dem Stadium mit dem typischen Hautausschlag. Das Fieber steigt wieder steil an. Die Symptome des Vorstadiums werden stärker. Meistens sind auch die Lymphknoten im Halsbereich geschwollen. Gleichzeitig mit dem erneuten Fieberanstieg tritt der Ausschlag mit 3 bis 6 mm großen, zunächst hellroten Flecken auf, die ineinander fließen. Fieberkrämpfe treten relativ häufig auf. Der Ausschlag erscheint zuerst hinter den Ohren. Von dort breitet er sich über das Gesicht und den ganzen Körper aus. Nur Handflächen und Fußsohlen bleiben verschont. Die Flecken färben sich nach einigen Tagen dunkler, werden bräunlich/violett, und verblassen nach vier bis sieben Tagen schließlich in der gleichen Reihenfolge mit einhergehender Hautschuppung. Parallel gehen die anderen Beschwerden zurück. Das Fieber sinkt nach fünf bis sieben Tagen. Erst wenn der Ausschlag völlig verschwunden ist, gilt der Patient nicht mehr als infektiös. Die Phase der Erholung dauert etwa zwei Wochen, sofern keine Komplikationen auftreten. Wenn ein Kind solche Symptome aufweist, sollte umgehend ein Kinderarzt aufgesucht werden! Masern sind aufgrund ihrer möglichen Komplikationen keinesfalls harmlos.

Wenn gesunde ungeimpfte Menschen mit an Masern Erkrankten in Kontakt kommen, kann der Ausbruch der Masern durch eine rechtzeitige postexpositionelle Impfung wirksam unterdrückt werden. Bei abwehrgeschwächten Personen und chronisch kranken Kindern ist eine postexpositionelle Prophylaxe von Masern auch als passive Immunisierung durch eine Gabe von humanem Immunglobulin innerhalb von 2–3 Tagen nach Kontakt möglich. Für erkrankte Kinder gillt strikte Bettruhe und absolute Schonung. Nach drei Tagen ohne Fieber kann das Kind wieder aufstehen. Der Raum sollte gut gelüftet sein und abgedunkelt sein. Bei Fieber helfen ausreichende Flüssigkeitszufuhr, kalte Wadenwickel und fiebersenkende Medikamente. Bei einer bakteriellen Superinfektion, meist Mittelohr- oder Lungenentzündung, wird der Kinderarzt ein Antibiotikum verschreiben.

TIPPS

  • Bei Symptomen einer MaserNinfektion sofort zum Kinderarzt
  • Treten bei erkrankten Kindern starke Augenentzündungen, Atembeschwerden, starke Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen oder ein steifer Nacken auf, kann es sich um eine Hirnhautentzündung handeln. Sofort den Notarzt rufen
  • Wegen der Ansteckungsgefahr sollten erkrankte Kinder bis zum Abklingen der Symptome nicht mit Verwandten und Freunden in Kontakt kommen, die weder geimpft sind noch an Masern erkrankt waren
  • Kindergarten oder Schule dürfen Kinder gemäß Infektionsschutzgesetz erst wieder nach Abklingen aller Symptome besuchen
  • Ungeimpfte Baby´s unbedingt von an Masern erkrankten Kindern fernhalten

IMPFSCHUTZ

Wegen der schwerwiegenden neurologischen Komplikationen einer Infektion mit dem Masernvirus wird eine Vorsorge durch Impfung dringend empfohlen. Seit März 2020 besteht in Deutschland eine Masern Impfpflicht. Es ist gesetzlich festgelegt, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen müssen.
Nach der Geburt ist ein Säugling noch für etwa sechs bis maximal neun Monate durch die Antikörper der Mutter vor einer Masernerkrankung geschützt, sofern sie die Masern hatte oder geimpft wurde. Üblicherweise wird die erste Masern-Impfung nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin im Alter von 11 Monaten vom Ihrem Kinderarzt durchgeführt.

MUMPS

Mumps (Parotitis epidemica) wird auch umgangssprachlich Ziegenpeter genannt. Die akute Virusinfektion lässt typischerweise die Ohrspeicheldrüsen seitlich am Kopf bzw. Hals stark anschwellen. Dieses Virus kommt nur beim Menschen vor. Die Infektionskrankheit ist weltweit verbreitet und kann ganzjährig in jedem Lebensalter auftreten. In Deutschland ist die Häufigkeit von Mumps-Erkrankungen aufgrund der Schutzimpfung stark rückläufig. Es kommt jedoch trotzdem immer wieder zu Mumps-Erkrankungen, insbesondere bei ungeschützten Personen.
ANSTECKUNG
Das Mumps-Virus gehört zur Gruppe der sogenannten Paramyxoviren, zu denen auch die Masern-Viren zählen. Die Ansteckung erfolgt vor allem über Tröpfcheninfektion, hierbei verteilen Infizierte beim Husten, Niesen oder Sprechen kleinste Speicheltröpfchen in der Umgebungsluft, die das Mumps-Virus enthalten. Andere Menschen können sich durch Einatmen dieser Speicheltröpfchen infizieren. Ebenfalls möglich ist eine Ansteckung mit Mumps über direkten Speichelkontakt, also etwa beim Küssen. Zwei Tage vor bis vier Tage nach Beginn der Erkankung sind Erkrankte am ansteckendsten. Insgesamt können Infizierte sieben Tage vor und bis zu neun Tage nach dem typischen Anschwellen der Ohrspeicheldrüsen das Mumps-Virus an andere Menschen weitergeben. Die Inkubationszeit kann prinzipiell 12 bis 25 Tage betragen. Meist vergehen aber 16 bis 18 Tage zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch.
KRANKHEITSANZEICHEN
Die Erkrankung kann sich durch grippeähnliche Krankheitszeichen wie Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber ankündigen. Die typischen Anzeichen sind jedoch schmerzhafte, entzündliche Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen, die sowohl einseitig als auch beidseitig auftreten können. Die Schwellung kann etwa drei bis acht Tage andauern und auch die Speicheldrüsen im Unterkiefer bzw. unter der Zunge sowie die benachbarten Lymphknoten können anschwellen. Etwa ein Drittel der Infektionen verläuft ohne oder nur mit geringfügigen Beschwerden. Vor allem bei Kindern unter fünf Jahren treten oft nur erkältungsähnliche Beschwerden auf. In vielen Fällen bleibt Mumps daher unerkannt. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, Komplikationen oder Spätschäden zu entwickeln. Bis zu zehn Prozent der Erkrankten entwickeln eine Hirnhautentzündung, die sich durch starke Kopfschmerzen, Nackensteife und Erbrechen äußern kann. Seltener ist eine Entzündung des Gehirns, die bleibende Schäden wie Lähmungen verursachen oder in Einzelfällen auch tödlich verlaufen kann. Ebenso kann es zu bleibenden Hörschäden oder Taubheit kommen. Bei etwa jedem dritten männlichen Erkrankten nach der Pubertät kommt es in Folge von Mumps zu einer Hodenentzündung. Sie macht sich durch einen erneuten Fieberanstieg mit starker Schwellung und Druckschmerzhaftigkeit eines oder beider Hoden bemerkbar und kann unter Umständen die Unfruchtbarkeit bedeuten. Bei Mädchen oder Frauen ist auch eine Entzündung der Brustdrüsen oder der Eierstöcke möglich. Eine weitere Komplikation kann eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse sein.

MUMPS IN DER SCHWANGERSCHAFT

Schwangere Frauen müssen nicht fürchten, dass eine Infektion mit dem Mumps-Virus während der Schwangerschaft auf das Ungeborene übergreifen kann. Eine Mumps-Infektion während der Schwangerschaft erhöht nach derzeitigem Wissensstand weder das Risiko für kindliche Fehlbildungen noch für eine Fehlgeburt. Das ungeborene Baby ist also nicht gefährdet.

GUT ZU WISSEN

  • Bei Verdacht auf eine Mumps-Erkrankung bitte umgehend zum Arzt
  • Eine gezielte Therapie gegen eine Mumps-Infektion gibt es nicht, lediglich die Beschwerden sind behandelbar
  • Um andere vor einer Ansteckung zu schützen unbedingt den Kontakt zu anderen Menschen meiden
  • Bei Mumps-Infektionen gelten die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes. Bei Verdacht auf Mumps, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten nicht besucht werden. Dies gilt auch für Personen, in deren Wohngemeinschaft oder Ähnlichem ein Krankheits- oder Verdachtsfall aufgetreten ist, wenn diese die Infektion noch nicht durchgemacht haben oder nicht vollständig durch eine Impfung geschützt sind. Betroffene müssen jede Gemeinschaftseinrichtung informieren
  • Mumps ist meldepflichtig, daher muss das zuständige Gesundheitsamt informiert werden. Dieses oder der Arzt legt fest, wann Erkrankte Gemeinschaftseinrichtungen wieder besuchen oder dort wieder tätig sein dürfen

IMPFSCHUTZ

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt einen Impfschutz gegen Mumps. Die Impfung erfolgt mit einem sogenannten MMR-Kombinationsimpfstoff, der neben Mumps auch vor Masern und Röteln schützt. Ein Einzelimpfstoff gegen Mumps ist in Deutschland nicht verfügbar.
Für Mitarbeiter die in der Patientenversorgung, in anderen Gemeinschaftseinrichtungen tätig sind oder die nach 1970 geboren wurden, wird ebenfalls eine einmalige Impfung gegen Mumps empfohlen. Wenn diese nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Mumps geimpft wurden oder der Impfstatus unklar ist. Wer Kontakt mit einem Mumps-Erkrankten hatte und nicht geschützt ist, sollte möglichst innerhalb von 3 Tagen eine MMR-Impfung als sogenannte Riegelungs-Impfung erhalten.
WICHTIG: Auch nach vollständiger zweimaliger Impfung kann in seltenen Fällen eine Mumps-Erkrankung auftreten.

  • MUTTER UND KIND APOTHEKE

    Wir haben ein spezielle Fortbildung zu diesem Thema absolviert und beraten Sie gerne zu allen Fragen rund um dieses Thema.